Sur Babel - Strasnoy, Oscar

Titel

Sur Babel

Komposition

Strasnoy, Oscar

Besetzung

pour choeur a cappella

detaillierte Besetzung

zwei gemischte Chöre/Vokalensembles (SATB SATB)
Dauer

ca. 8 Minuten

Schwierigkeitsgrad

4 mittel-schwer

Schlagwörter

Erweiterte Vokaltechniken, Verschiedene Sprachen

 

KOMMENTAR

Kurzbeschreibung

Der Mythos Babylon hat in der europäischen Geschichte die Phantasie der Menschen beständig durch die Epochen umgetrieben: „Nachdem alle Stämme und Völker nach der großen Flut sich auf der ganzen Erde ausgebreitet hatten“, heißt es in der Erzählung Genesis, „hatten die Menschen noch eine einzige, allen gemeinsame Sprache“. Dieser faszinierende Gedanke berührt Oscar Strasnoy zweifach: als Erinnerung an die Sprache seiner Kindheit – aufgewachsen in Argentinien als Sohn russisch-jüdischer Emigranten – und zum anderen angesichts der unendlichen Vielfalt heutiger Sprachen bzw. Sprachgebäude aller Art. Damit lässt sich das Grundgerüst seiner Komposition „Sur Babel“ gut verstehen als doppelchöriges Werk, das zwei unterschiedliche Redeweisen übereinanderschichtet. Die emotionale Erinnerung an die „Zunge“ des Großvaters, das fast vergessene Jiddisch, bildet den ruhig daher fließenden „Choral“-Satz mit den Worten „Un di gantse erd is geven eyn shprakh.“ Dagegen skandiert eine zweite Chorgruppe, fast ein aufs Sprechen reduziertes Chorensemble, hastige Variationen des jiddischen Genesistexts in verschiedenen Übersetzungen, wie z.B. Englisch, Französisch… So entsteht eine eindrucksvolle musikalische Architektur, die Strasnoys Verständnis unserer multilingualen Lebenswelt wiederspiegelt, in „Verwirrung und Faszination“ zugleich.

Notation

Traditionelle Notation ohne Besonderheiten

Anforderungen

  • Die Besetzung der beiden Chöre (besser gesagt: der beiden Ensembles) gestattet nach Bemerkung des Komponisten sowohl solistische als auch chorische Größe bzw. auch Mischungen.
  • Das erste Ensemble hat dabei den intonatorisch schwierigeren Part: Klassischer Gesang mit Stabilität in Septimen-, Nonen-Intervallen bzw. Halbton-Clustern ist gefragt.
  • Das zweite Ensemble ist rhythmisch gefordert, insbesondere mit schnellen Sprechpartien in verschiedenen europäischen Sprachen. Wenige gesungene Partien bilden keine besondere Aufgabe, zumal die Intonation der wenigen von Tonhöhen abhängigen Passagen durch das erste Ensemble vorbereitet wird.
  • Die Sprechpartien, meistenteils französisch und englisch, aber auch slawische, sowie spanische und portugiesische Elemente benötigen vielleicht einen muttersprachlichen Trainer, wenn nicht zufällig informierte ChorsängerInnen oder der/die DirigentIn selbst die Einstudierung stützen können.
  • Ähnliches gilt für die Aussprache des „Jiddischen“ im ersten Ensemble.

Didaktische Hinweise und Empfehlungen

  • Rhythmische Sprechstudien und das Umschlagen in eine bestimmte Tonhöhe, die vom Klavier oder der Stimmgabel vorgegeben werden, sollten auf die Schwierigkeiten des zweiten Ensembles gut hinführen können.
  • Die exakte, geballte Mixtur-Synchronizität vielfach geteilter Partien ist eine besondere Herausforderung an den zweiten Chor und dessen präzise rhythmisch-intonatorische Agilität.
  • Hierbei könnte das Pausieren und spätere Wiedereintreten in dissonanten Intervallkonstellationen eine besondere Herausforderung darstellen, die sich durch Vorübungen mit dissonantenreichen Notentexten jeglicher Musik und freigewählten Unterbrechungen üben ließe.

Bezugsquelle

Erhältlich beim Komponisten (oscarstrasnoy.info).