Thirteen Harmonies - Cage, John

Titel

Thirteen harmonies

Komposition

Cage, John

Bearbeitung

Zahab, Roger

Besetzung

Version for violin and keyboard instrument

detaillierte Besetzung

Violine und Tasteninstrument (Klavier, Cembalo, Celesta, Harmonium o.ä.)

Dauer

Komplett ca. 38 Minuten. Die einzelnen Sätze dauern 40 Sekunden bis 12 Minuten.

Schwierigkeitsgrad

4 mittel-schwer

Schlagwörter

Minimal

 

KOMMENTAR

Kurzbeschreibung

Die "Thirteen Harmonies" von John Cage sind Teil des größeren Zyklus Apartment House 1776, eine Sammlung von Hymnen aus der Zeit der amerikanischen Revolution. Jeder Satz stellt eine „destillierte“ Version eines dieser Hymnen dar, in der einzelne Töne, Rhythmen und Harmonien isoliert erscheinen und somit neue schwebende Klangkonstellationen und eine ruhige Expressivität entstehen lassen.

Notation

Die Notation des Stückes ist traditionell.

Anforderungen

Das Stück ist spieltechnisch sparsam und kommt ohne erweiterte Spieltechniken aus. Der Schwierigkeitsgrad der einzelnen Sätze ist relativ homogen:

  • Die Violine spielt ausschließlich lange Töne und legato-Melodien, hauptsächlich in der ersten Lage. In manchen Sätzen kommen einfache Doppelgriffe (Harmonies 42, 21, 5, 11, 15, 28, 38 und insbesondere 44) oder Naturflageolette (5, 28) vor. Andere Spielarten (martellato, spiccato, pizzicato usw.) kommen nicht vor. Die gewünschte Klanghomogenität besonders in leiser Dynamik erfordert eine sichere, organische Bogenführung.
  • Der Klaviersatz ist meist homophon, oft einstimmig (die Melodie wird manchmal auf beide Hände verteilt), höchstens vierstimmig. Große Sprünge und extreme Register kommen nicht vor. Manche Sätze (Harmonies 26, 5, 35) enthalten einfache Kontrapunkte, die dennoch keine besonderen Herausforderungen in Bezug auf die Unabhängigkeit von linker und rechter Hand stellen.

Rhythmisch ist das Stück zwar nicht komplex, aber sehr differenziert. Die Einsätze von Violine und Klavier sind rhythmisch vielseitig artikuliert, oft fragmentarisch, und ergänzen sich untereinander. Die Länge der Töne und Pausen ist stets genau zu beachten, denn nur durch sie kommen die zugrunde liegenden harmonischen und melodischen Konturen zum Vorschein. Das erfordert Aufmerksamkeit (beim Spielen, beim Hören und bereits beim Lesen des Notentextes).

Metrisch sind alle Sätze übersichtlich, mit wenigen Tempo- oder Taktwechseln. Die nahezu einzige Ausnahme ist der heikle Übergang vom 6/4- zum 6/8-Takt in der Harmony 26. Allerdings sind die Einsätze so unregelmäßig, dass das Metrum unhörbar wird und die MusikerInnen leicht die Orientierung verlieren können. Dabei ist die Entwicklung eines gemeinsamen stabilen Pulsgefühls von großer Wichtigkeit.

Die Dynamik geht in beiden Instrumenten von pp bis mf. Es gibt keine großen Kontraste, sondern zahlreiche subtile Nuancen, die den ruhigen, schwebenden Charakter des Werkes prägen. Auch die Stille spielt eine große Rolle.

Die Textur ist sparsam und nackt: Ein homogener, dynamisch ausbalancierter Klang und lange, organische Phrasierungsbögen tragen entscheidend zur ruhigen Expressivität des Werkes bei und erfordern von den MusikerInnen Konzentration und Spielsicherheit, aber auch Sensibilität, Offenheit und eine gewisse musikalische Reife über die reine Spieltechnik hinaus.

Didaktische Hinweise und Empfehlungen

Um ein gemeinsames Tempogefühl zu entwickeln, können verschiedene Übungen spielerisch durchgeführt werden: die eigene Stimme ohne Instrument singen, den Puls gemeinsam klatschen oder mit dem Körper begleiten, einzelne schwierige Takte „im Loop“ wiederholen, die Stimme des/der anderen mitlesen oder mitsingen, während der/die andere spielt usw. Trotz der langsamen Tempi kann und sollte jede schwierige Passage Grundlage einer rhythmischen Übung sein, die nicht nur der korrekten Umsetzung des Notentextes dient, sondern auch der Weiterentwicklung abstrakter rhythmischer Fähigkeiten überhaupt. Dabei spielen die Pausen eine fast größere Rolle als die Töne!

Bei der Violinstimme bietet fast jeder Satz eine gute Chance, an einer sicheren, homogenen Bogenführung zu arbeiten. Dafür können die langen Originalbögen am Anfang geteilt und nach und nach verlängert werden. Diese Arbeit braucht Geduld und reife Ohren und eignet sich besonders für fortgeschrittene SchülerInnen, die sich für Klangqualität und –schönheit zu interessieren beginnen (die in diesem Stück von großer Bedeutung sind).

Die "Thirteen Harmonies" lassen sich grob in folgenden Kategorien unterteilen, die als Orientierungsbasis für die Einstudierungsarbeit dienen können:

  • Schwerpunkt „Harmonie“ oder „Fläche“: Harmonies 18, 21, 11, 14, 15, 28, 44
  • Schwerpunkt „Rhythmus“ oder „Melodie“: Harmonies 42, 26, 19, 35, 38 (Rhythmus),
  • Die Harmony 5 ist, was Spieltechnik und musikalische Charaktere angeht, mit knapp 12 Minuten die längste und umfassendste.

Die Klavierstimme könnte unter Umständen ohne große Schwierigkeiten für andere Instrumentalkombinationen umgeschrieben werden, z.B. Vibraphon oder Marimba  – eventuell vierhändig –, Streichquartett oder Bläserensemble.

Die Stücke eignen sich für jedes Publikum und können in verschiedenen Aufführungssituationen sehr gut funktionieren:

  • Die längeren Stücke (Harmonies 19, 5, 28, 38) können in jedem Konzertprogramm selbstständig aufgeführt werden. Es wäre auch vorstellbar, eine Auswahl aus mehreren kürzeren Sätzen aufzuführen (z. B. Harmonies 18, 42, 21, 35, jeder Satz eventuell von unterschiedlichen MusikerInnen gespielt).
  • Die miniaturähnlichen Harmonies 26, 11, 14, 15 und 44, mit einer Dauer von unter 1'30 Minuten, eignen sich besonders gut als Interludien zwischen längeren (ggf. größer besetzten) Werken. Auch bei Literaturveranstaltungen (Lesungen, Lesungskonzerten, Gesprächen) zu passenden Themen können sie als wirkungsvolle musikalische Einschübe dienen.
  • Es wäre auch vorstellbar, z.B. im Rahmen von Museumsveranstaltungen (Ausstellungseröffnungen, Installationen) abhängig vom Bedarf einzelne längere Sätze oder mehrere kürzere Sätze aufzuführen.
  • Die Stücke sind bestens für eine hallige Akustik geeignet (wie sie etwa in einem großen Kirchen- oder Ausstellungsraum herrscht).

Bezugsquelle

Erschienen bei Edition Peters, Best.-Nr. EP 67117, 32,00 € (www.edition-peters.de)