Neue Töne - Musik für Percussion, Band 2: Ensemble

Titel

Neue Töne - Musik für Percussion, Band 2: Ensemble

HerausgeberTonkünstlerverband Bayern e.V.
BesetzungSchlagzeug, Duo bis Quartett, detaillierte Besetzung: siehe "Inhalt"
Dauerflexibel
Schwierigkeitsgrad2 leicht bis 4 mittel-schwer
SchlagwörterAlltagsgegenstände, erweiterte Spieltechniken, Klassenmusizieren/heterogene Gruppen, theatralische Elemente/Musiktheater


KOMMENTAR

Kurzbeschreibung

Diese vom Bayerischen Tonkünstlerverband herausgegebene Sammlung verschiedenster Ensemblestücke ist eine große Bereicherung der pädagogischen Schlagzeugliteratur. Die sieben Duos, Trios oder Quartette bieten eine große Auswahl an Klangwelten – von groovigen, puls- und rhythmusorientierten Kompositionen bis hin zu atmosphärischen Klanglandschaften. Die Instrumentation ist für durchschnittlich ausgestattete Musikschulen realisierbar. Dabei verlieren die Werke keineswegs ihren klanglichen Reiz. Einige Werke sind für heterogene Schlagzeugensembles gut geeignet.

Notation

traditionell

Inhalt

Die Sammlung enthält folgende Stücke:

1. Moritz Eggert (*1965): Processional: Trilocke 1 (Trio)
2. Christian Glowatzki (*1970): Spirit (Duo: Kleine Trommel & Marimba)
3. Guido Klaus (*1966): Move ‚n‘ Groove (Quartett: 2 Marimbas, 3 Tom-toms, 2 Woodblocks)
4. Leander Kaiser (*1961): Al Andalus (Quartett: 4 Woodblocks, 2 Timbales, 2 Pauken, Drumset)
5. Peter Kiesewetter (1945 - 2012): Im Auge des Wirbelsturms (Quartett: Spieler 1: Vibraphon ; Spieler 2: Marimba, große Trommel ; Spieler 3: Plattenglocken, kleine Trommel ; Spieler 4: Röhrenglocken)
6. Johannes X. Schachtner (*1985): Invention I (Trio: Trommel, Xylophon, Marimba) & Invention II (Quartett: 4 Woodblocks)
7. Sergey Khismatov (*1983): Cymbals Quartet

Anforderungen, didaktische Hinweise und Empfehlungen

Moritz Eggert verwendet eine einfache rhythmische Sprache für seine Solo- bzw. Trio-Komposition Processional: Trilocke 1. Das Werk hat den Vorteil, eine große Zielgruppe ansprechen zu können. Schüler*innen mit wenig Erfahrung finden leichten Zugang über die einfachen, von traditioneller Marschmusik beeinflussten Rhythmusphrasen. Spieler*innen, die etwas fortgeschrittener sind, können sich mit den Feinheiten des Klanges der kleinen Trommel intensiv auseinandersetzen und sich bei den szenischen Elementen des Stückes austoben („Hauptsache, es wird eine Szene!“).

Auch Christian Glowatzki ist es gelungen, ein extrem reizvolles und wirkungsvolles Werk zu komponieren. Trotz des schlicht zusammengestellten Instrumentariums ist es sehr farbenreich. Für die ungewöhnliche Kombination von Marimbaphon und Kleiner Trommel hat Glowatzki ein spritziges, virtuos klingendes Duo geschrieben, dessen technische Anforderungen im Gegensatz zum klanglichen Resultat um einiges geringer sind. Besonders passend für weniger fortgeschrittene Schüler*innen ist die Kleine Trommel-Stimme, die äußerst differenzierte, einfallsreiche erweiterte Spieltechniken beinhaltet, jedoch nicht zu komplex oder überfordernd wirkt. Die Marimbaphon-Stimme ist im Vergleich dazu ein wenig virtuoser gestaltet und fordert eine sichere Zwei- bzw. Vierschlegeltechnik. Obwohl das rhythmische Material verhältnismäßig einfach konstruiert ist, fordern die meisten Passagen einen sehr sicheren Sinn für Zusammenspiel. Langsames Proben ist unersetzlich! Die dynamische Gestaltung des Werkes spielt auch eine zentrale Rolle und muss sorgfältig einstudiert werden. (z.B. Takt 9)

Die große Bandbreite an Schlaginstrumenten erfordert eine gewisse „Spezialisierung“ jedes Schülers/jeder Schülerin und ist dadurch in pädagogischer Hinsicht für Lehrkräfte eine Herausforderung.

Aus diesem Grund sind Stücke wie Move ‚n‘ Groove von Guido Klaus eine Bereicherung für die pädagogische Schlagzeugliteratur. Hier können die verschiedensten Stärken eines heterogenen Ensembles angesprochen werden. Zwei Marimbaphon-Stimmen werden durch zwei kleine Aufbauten (3 x Toms, 2 x Woodblocks) ergänzt, die keineswegs nur eine begleitende Nebenrolle spielen. Das Stück lebt aus der Zusammenstellung der rhythmischen Patterns, die sehr genau wiedergegeben werden müssen. Ohne diese Genauigkeit verliert das sportliche Werk jegliche Leichtigkeit und dadurch seine volle Wirkung. Gerade für weniger fortgeschrittene Ensembles ermöglicht es eine reizvolle Rhythmusarbeit.

Da die meisten Kompositionen des Bandes von den Elementen Puls und Groove geprägt sind, ist Sergey Khismatovs eher Klangflächen-orientiertes Cymbals Quartet eine wichtige Ergänzung. Anhand dieser Klangstudie werden einige gängige Spielpraktiken Neuer Musik vermittelt, die zu einem äußerst spannenden, überwiegend zärtlichen Klangerlebnis führen. Benötigt werden nur vier verschiedene Hängebecken, die mit verschiedensten Mallets sowie Alltagsgegenständen (u.a. Becher, Gummibälle, Schwämme) bespielt werden. Ein schlanker, klar geschriebener Text führt die Spieler*innen durch die geforderten Spieltechniken und erklärt, wie man am besten mit den benötigten Resonanz-Bechern umgeht. Obwohl eine gewisse rhythmische Genauigkeit angestrebt werden soll, ist diese für die überwiegend weichen, gestrichenen Klänge nicht das wichtigste Kriterium. Vielmehr soll mit einem jungen Ensemble an einer kommunikativen Interaktion gearbeitet werden.

Spartanisch komponiert, jedoch genauso wirkungsvoll ist Peter Kiesewetters Im Auge des Wirbelsturms, das mit einer kühlen, spannungsvollen Intensität aufgeführt werden muss. Das Werk bietet eine tolle Möglichkeit, an gleichmäßig ausgespielten Linien und Phrasen zu arbeiten (z.B. Spieler III; Takte 42 – 43). Zusätzlich zu einem Marimbaphon und Vibraphon werden Röhren- bzw. Plattenglocken benötigt, die allerdings durch ähnlich klingende gestimmte Metallinstrumente ersetzt werden können. Im Zentrum eines Wirbelsturms herrscht eine beunruhigende Stille – und diese auszudrücken fordert äußerste Konzentration!

Für etwas fortgeschrittenere Ensembles sind Johannes X. Schachtners zwei Inventionen ideal. Diese beiden Sätze stellen die größten rhythmischen Herausforderungen der Sammlung dar. Inspiriert von dem traditionellen, aus Bayern stammenden Volkstanz „Zwiefacher“ wechseln sich in 5/4 bzw. 3/16 geschriebene Rhythmusmuster ab. Im zweiten Satz werden verschiedenste binäre, ternäre und ungerade Unterteilungen der durchlaufenden Zählzeiten übereinandergelegt.

Bezugsquelle

Erschienen im Verlag Neue Musik, Bestell-Nr. NM 1663

www.verlagneuemusik.de