temA - Lachenmann, Helmut

Titel

temA

Komposition

Lachenmann, Helmut

Besetzung

für Flöte, Stimme (Mezzosopran) und Violoncello

Dauer

ca. 16 Minuten

Schwierigkeitsgrad

6 professionell

Schlagwörter

erweiterte Spieltechniken/Vokaltechniken, Vokaleinsatz (bei Instrumentalwerken)

 

KOMMENTAR

Kurzbeschreibung

Helmut Lachenmanns „temA“ aus dem Jahr 1968 ist sowohl für die InterpretInnen wie das Publikum in seiner Radikalität beim Ausloten neuer Ausdrucksqualitäten der Gesangsstimme und der Instrumente immer noch hoch faszinierend und herausfordernd. „Musique concrète instrumental“ mischt sich hier mit abstrakten und konkreten klanglich-sprachlichen Aktionen der Stimme, so dass die Klänge zu zarten Klanggemälden ineinanderfließen und die drei unterschiedlichen Interpretierenden zu einem völlig neuartigen und einzigartigen Instrument verschmelzen. Geräuschhaftes und Klingendes entfaltet sich vexierbildartig zu einem intensiven Kaleidoskop archaischer Klangwelten. Die Hörenden und Interpretierenden sind angehalten, sich bei diesem Werk hinter jegliche nur denkbare Klang-Fassade, welche die Tradition aufgerichtet hat, zu begeben. Hier erleben sie am Urgrund musikalischen Handelns musikalische Artefakte von geradezu archetypischer Intensität.

Notation

An die traditionelle Notation so weit wie möglich angenäherte Notation der einzelnen Klangaktionen, teilweise in einer klugen und pragmatischen Beschreibung von Aktionen am und mit dem Instrument und der Stimme. Das klangliche Ergebnis wird daher vom Notierten vor allem dynamisch auch abweichen.

Anforderungen

  • Im Prinzip sind alle Interpretierenden herausgefordert ihr Instrument/ihre Stimme ganz neu zu entdecken und mit den neu erarbeiteten Klangmöglichkeiten virtuos und sensibel umzugehen.
  • Die rhythmisch präzise notierten Passagen sind sehr übersichtlich und gut realisierbar.
  • Die dynamische Bandbreite und das klanglich ausdifferenzierte Material erfordern eine hohe Sensibilität im neu zu erlernenden Umgang mit den erweiterten Spieltechniken am Instrument und der Stimme.
  • An das Ensemblespiel sind durch die komplex ausformulierten Klanggewebe sehr hohe kommunikative und reaktive Anforderungen gestellt.
  • Die durchweg dialogisch angelegte musikalische Struktur erleichtert das Erarbeiten, da musikalische Inhalte immer klar nachvollziehbar aufeinander bezogen dargestellt werden sollen.
  • Lange musikalische Bögen erfordern InterpretInnen, deren Bühnenpräsenz eine Mischung aus kontemplativem Eintauchen in die Klangwelt dieses Werkes genauso vermittelt wie eine expressive, geradezu exzentrisch-sinnliche Lust an den außergewöhnlichen Klangfarben, die hier zu gestalten sind.
  • Der Flötenpart enthält neben Flatterzunge und Flageolett-Tönen auch eine breite Palette an geräuschhaften Aktionen mit dem Atem und der Stimme (mit und ohne Instrument).
  • Das Cello wird mit Scordatura gespielt.
  • Typisch für den Komponisten ist die extrem breite Palette an erweiterten Spieltechniken bei Streichinstrumenten, die zu einer weit aufgefächerten Klangpalette von kaum hörbarem Geräusch, über den traditionellen Klang bis hin zu faszinierend neuartigen Tönen auf dem Instrument führen. InterpretInnen, die z.B. bereits das Werk „Pression“ (für Violoncello) oder auch Orchesterwerke des Komponisten studiert haben, werden es hier dann mit einer schon gewohnten Palette an instrumentalen Aktionen zu tun haben und sich sicher erheblich souveräner fühlen. Ist dies nicht der Fall, so sollte genügend Zeit für die technische Erarbeitung des Cello-Parts eingeplant werden.

Didaktische Hinweise und Empfehlungen

  • Jede/r Mitwirkende sollte einige Zeit mit dem Studium der eigenen Stimme verbracht haben, bevor man in die Ensemblearbeit einsteigt.
  • Eine Ensembleleitung sollte einige Einzelproben mit jedem Mitglied des Ensembles einplanen, um alle Fragen und Besonderheiten der Partitur vor dem Beginn der Ensembleproben genau geklärt zu haben.
  • Eine Ensembleleitung sollte sich sehr gut mit der Philosophie und der daraus resultierenden Klangwelt Lachenmann‘scher Musik auseinandergesetzt haben, um ein befriedigendes Ergebnis zu vermitteln und zu gestalten.
  • Gut geeignet ist das Werk auch für Jugendliche und musikalische Laien, die sich für Neue Musik stark interessieren und sich gerne engagiert und intensiv mit den Ausdrucksmöglichkeiten ihres Instruments bzw. ihrer Stimme beschäftigen. Hierbei sind schon einige Erfahrung in der Aufführungspraxis Neuer Musik und eine hervorragende Bühnenpräsenz mitzubringen.
  • Für eine Laien-Gesangsstimme ist eine hervorragende fachliche Begleitung unerlässlich, da einige Aktionen nur professionell angeleitet das klangliche Ergebnis deutlich und stark hervorbringen werden. Laienhaft und ohne Unterstützung erarbeitet würden diese Aktionen die Stimme sicher stark belasten.
  • Mit diesem Werk sind außerordentlich intensive Erfahrungen zu machen und jede/r InterpretIn wird musikalisch und gestalterisch an einem herausragenden Kammermusikwerk reifen.
  • Es ist auch als Wettbewerbsstück, sogar für Jugend Musiziert (Besondere Besetzungen: Neue Musik), ein sehr dankbares Werk.
  • Der Probenaufwand für dieses Werk ist, selbst wenn Erfahrungen mit Neuer Musik vorliegen, sehr hoch.

Bezugsquelle

Erschienen bei Breitkopf & Härtel, Bestell-Nr. BG 737 (36,90 €)

www.breitkopf.com

temA bei Youtube anhören (Ensemble Recherche)

temA bei Youtube ansehen (RADAR Ensemble)