tanzaku - Beuger, Antoine

Titel tanzaku
Komposition Beuger, Antoine
Besetzung for eight bowed string instruments
detaillierte Besetzung acht Streichinstrumente in beliebiger Kombination
Dauer flexibel (3 bis ca. 35 Minuten)
Schwierigkeitsgrad 2 leicht
Schlagwörter offene Form, Minimal, Mikrotonalität

 

KOMMENTAR

Kurzbeschreibung

Antoine Beugers „tanzaku – for eight bowed instruments“ ist eine meditative, klanglich sensible musikalische Landschaft mit Flageolett-Klängen in zwölf Teilen für ein achtköpfiges Streicherensemble. Das Stück ist spieltechnisch sehr reduziert und in seiner Form und Dauer sehr flexibel. Es eignet sich für verschiedene traditionelle Konzertformate oder auch räumliche Installationen.

Notation

Die Notation besteht aus schematischen Griffangaben: Für jeden Ton werden sowohl die Saite als auch annäherungsweise die Kontaktstelle des Grifffingers, nicht jedoch die resultierende Tonhöhe angegeben. Notationstechnisch werden die Saiten in ihrer Länge in sechs Regionen unterteilt. Die Position des Grifffingers wird nicht exakt notiert, sondern kann innerhalb der vorgeschrieben Region leicht variieren. Die Regeln zur Umsetzung der Notation sind relativ intuitiv und eindeutig im Vorwort erklärt.

Anforderungen

  • Die Spieltechnik, die im ganzen Stück ausschließlich angewendet wird, besteht aus der Erzeugung von Naturflageoletten auf verschiedenen Stellen der Saiten. Diese Spieltechnik ist am Cello und Kontrabass generell leicht umzusetzen. An der Geige und besonders an der Bratsche erfordert sie eine sichere Instrumentenhaltung, da der linke Arm über den Korpusrand hinausgestreckt werden soll, um die höheren Regionen der 3. und 4. Saite zu erreichen, was für AnfängerInnen eine ungewöhnliche Position ist. Allerdings ist diese Schwierigkeit nicht entscheidend: Jedes Ensemblemitglied kann das Tempo seines Spiels und die Dauer der Pausen selbst bestimmen, so dass die Bewegungen nicht „hektisch“ ausgeführt werden müssen.
  • Darüber hinaus erfordert die Erzeugung der Flageolett-Klänge eine sichere, leichtgängige Bogenführung mit relativ langsamer Geschwindigkeit, an die sich AnfängerInnen zuerst gewöhnen müssen.
  • Jeder Part kann mit einem beliebigen Streichinstrument besetzt werden
  • Das Stück ist metrisch und rhythmisch frei. Die Koordination zwischen den MusikerInnen ist nicht festgelegt, sondern entsteht erst im Zusammenspiel. Pausen in den einzelnen Stimmen werden durch Zäsuren angedeutet.
  • Den Schwerpunkt dieses Stückes bildet die Suche nach einer bestimmten Klangqualität; der Komponist wünscht sich „very soft, unpredictable, manifold, irregularly oscillating sounds, with rich overtone structures“. Jedes Ensemblemitglied nimmt am Aufbau des Gesamtklanges teil, was aktives Hören und gegenseitiges Reagieren aufeinander erfordert.

Didaktische Hinweise und Empfehlungen

  • „tanzaku“ kann im Prinzip in geringer Probenzeit einstudiert werden.
  • Die Notenköpfe im Fünfliniensystem stehen nicht für feste Tonhöhen und Rhythmen, sondern nur für Griffpositionen. Dieses mögliche Missverständnis sollte in der ersten Probe geklärt werden.
  • Das Stück bietet zudem eine gute Übung für die Entwicklung der klanglichen Sensibilität und des daraus resultierenden Zusammenspiels. Jedes Ensemblemitglied soll auf die dynamische Balance und die Qualität des Ganzen reagieren und dadurch Zeitpunkt und Qualität seiner Einsätze bestimmen. Daraus resultiert eine konzentrierte, fast meditative Spielweise, die das Nachdenken über einen kreativen Umgang mit Begriffen wie Pause, Stille, Zusammenspiel und Klangschönheit o.ä. fördert.
  • Das aktive Zuhören und das Reagieren jedes Ensemblemitgliedes eröffnet eine Fülle an interpretatorischen Möglichkeiten hinsichtlich dynamischer Balance und Phrasierung in einem vorgegebenen musikalischen Rahmen. Wichtig ist, dass alle SpielerInnen „den eigenen Platz“ im Ensemble finden. Eventuell können zusätzliche Übungen durchgeführt werden, wie zum Beispiel, dass ein Ensemblemitglied den anderen von außen zuhört und seine Eindrücke äußert.
  • Die Anweisungen der Ensembleleitung sollten dazu führen, dass das Ensemble dieses „kollektive Bewusstsein“ so entwickelt, dass die zeitlich eher knappen Formen aus einem natürlichen, organischen Zusammenspiel resultieren. Das Werk braucht daher keine/n Dirigenten/Dirigentin für die Ausführung.
  • „tanzaku“ ist in den Umsetzungsmöglichkeiten ziemlich flexibel. Das achtköpfige Ensemble kann frei zusammengesetzt werden, jeder Part kann mit einem beliebigen Streichinstrument besetzt werden. Obwohl es nicht ausdrücklich vom Komponisten erwünscht ist, könnten eventuell eine oder zwei Partien verdoppelt oder weggelassen werden, wenn das verfügbare Ensemble größer oder kleiner ist als die vorgeschriebene Besetzung. Das Ensemble sollte in diesen Fällen nicht weniger als sechs und nicht mehr als zehn oder elf SpielerInnen haben.
  • Die Partitur besteht aus zwölf Seiten, von denen eine beliebige Anzahl in beliebiger Reihenfolge aufgeführt werden kann (die Aufführungsdauer einer Seite beträgt nach Erfahrung des Komponisten zwei bis drei Minuten). Die Dauer des Stückes kann an die Dauer des Konzertprogramms angepasst werden. Dadurch eröffnen sich weitere Aufführungsmöglichkeiten, zum Beispiel das Vortragen einzelner Sätze als Zwischenspiele in einem größeren Konzertprogramm. Eine räumliche Aufstellung der MusikerInnen, vor allem in einem großen, hallenden Raum könnte gut funktionieren, auch als „Installation“ in Verbindung mit bildender Kunst, Lichtkunst, o.ä.
  • Das Stück ist geeignet für Laien- und Schülerensembles, auch mit gemischter Spielfähigkeit.
  • Obwohl nicht vom Komponisten vorgesehen, könnte das Stück durch neue Elemente ergänzt werden (kleine Soli, eine ausgearbeitete Dynamik, usw.) oder möglicherweise als Ausgangspunkt einer freieren Improvisation dienen.

Bezugsquelle

Erhältlich bei edition wandelweiser

www.wandelweiser.de

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