Respiro il fresco che mi lascia il colore del cielo – Anatrini, Alessandro

Titel

Respiro il fresco che mi lascia il colore del cielo

Komposition

Anatrini, Alessandro

Besetzung

per pianoforte a quattro mani

detaillierte Besetzung

Klavier zu 4 Händen (2 PianistInnen / 1 PianistIn und 1 PercussionistIn),  Flügel notwendig

Dauer

7-8 Minuten

Schwierigkeitsgrad

3 mittel

Schlagwörter

erweiterte Spieltechniken, graphische Notation

 

KOMMENTAR

Kurzbeschreibung

Ungefähre Übersetzung des italienischen Titels: „Ich atme die Frische, die die Farben des Himmels hinterlassen haben.“ Alessandro Anatrinis „Respiro il fresco che mi lascia il colore del cielo“ ist ein recht frei zu gestaltendes, frei atmendes, sphärisches, klangschönes Stück mit interessanten Klängen und Klangfarben, die sowohl an den Tasten als auch im Innenraum erzeugt werden. Tastenanschläge und synchron dazu erklingende Innenraumklänge ergeben wunderschöne Zusammenklänge. Es handelt sich um ein sehr ausdrucksstarkes Stück, das durch stark aufeinander bezogenes, gemeinsames musikalisches Agieren zum Klingen gebracht wird.

Notation

Traditionell, aber mit graphischer Notation kombiniert: Die Dauern sind angezeigt durch die Entfernung der Notenköpfe zum jeweils nächsten Notenkopf.

Anforderungen

  • Die Arbeitsaufteilung im Stück ist eindeutig: Ein/e SpielerIn spielt nur an den Tasten, der/die andere ausschließlich im Flügelinnenraum. Beide Stimmen beziehen sich zu jeder Zeit sehr eng aufeinander und ein dichtes Zusammenspiel ist erforderlich.
  • Der/die TastenspielerIn spielt langsame Einzeltöne und vereinzelt Intervalle und Akkorde in langsamem, freiem Tempo.
  • Der/die InnenraumspielerIn zupft exakt vorgegebene Saiten in vorgegebener Dynamik, schlägt einzelne Saiten oder auch Intervalle mit 1-2 Filzschlägeln an, erzeugt mit der Fingerkuppe Schleifgeräusche auf den Saiten, es gibt Handschläge an/im Flügelkorpus u.a.
  • Im Innenraum muss nicht unbedingt ein/e PianistIn agieren, diese Aufgabe können auch andere InstrumentalistInnen übernehmen. Besonders PerkussionistInnen wären gut geeignet.
  • Die pianistische Tasten-Spieltechnik oder auch speziell die Innenraum-Spieltechnik betreffend ist dies ein relativ leichtes Stück.
  • Das Zusammenspiel ist im gesamten Stück sehr eng aufeinander bezogen, gestalterisch dagegen relativ frei. Jede agogische Entscheidung des/der einen Spielenden zieht eine musikalisch entsprechende, weiterführende Entscheidung der/des anderen Spielenden nach sich. Z.B.wird ein begonnenes rubato innerhalb einer Melodie durch den/die DuopartnerIn weitergeführt. Konsequentes Entscheiden, Zuhören und Mitlesen der Partitur des/der andern Spielenden wird hier sehr gefördert.
  • Sehr viele Klänge werden synchron erzeugt. Ein synchron gespielter Tastenton und ein Innenraumton (pizz. o.ä.) ergeben häufig im Zusammenklang einen einzigen Klang mit reichhaltiger Klangfarbe. Dies erfordert hohe gegenseitige Aufmerksamkeit und häufiges „sich gegenseitig den Einsatz geben“ durch Blicke oder kleinste Gesten. Musikalisch wird jede Phrase gemeinsam gestaltet und die SpielerInnen atmen und gestalten agogisch und dynamisch stets gemeinsam.
  • Die Partitur ist relativ einfach zu lesen und gibt den SpielerInnen genügend Freiraum, um sich auf das Spielen und Hören zu konzentrieren und dabei eine ganz eigene Interpretation zu erarbeiten.
  • Die Partitur ist nahezu traditionell notiert, aber die Tondauern sind statt verschiedener Notenwerte durch verschiedene Abstände der Notenköpfe zum jeweils folgenden Notenkopf kenntlich gemacht. Mit einer darübergeschriebenen Klammer wird bezeichnet, wie lang die angezeigte Aktion jeweils dauern soll (in Notenwerten). Dies sind sehr geschickt ausgedachte Orientierungshilfen, die recht genau anzeigen, was rhythmisch gemeint ist, aber ein genaues Mitzählen nicht erforderlich machen. Diese Art der Notation erzeugt zudem ein sehr freies musikalisches Gestaltungsgefühl, das meist deutlich hörbar ist gegenüber einer kompliziert durchzuzählenden Partitur.
  • Noten der beiden SpielerInnen, die gleichzeitig erklingen sollen, sind durch senkrechte Linien in der Partitur miteinander verbunden und kenntlich gemacht. Das erleichtert das Lesen und ermöglicht es, dass auch jüngere SpielerInnen das Stück spielen können.
  • Viele dynamische Zeichen ermuntern die SpielerInnen an jeder Stelle zum filigranen Gestalten.

Didaktische Hinweise und Empfehlungen

  • Das Stück eignet sich sehr gut auch für jüngere SpielerInnen ab ca. 11-12 Jahren, sofern die Proben pädagogisch begleitet werden.
  • Auch für geübte PianistInnen und Profis geeignet, da die Interpretation, d.h. filigrane Klänge, Zusammenspiel und das gemeinsame Gestalten im Vordergrund stehen.
  • Publikumszielgruppe: Das Stück ist sehr zart und filigran, erfordert deshalb ein aufmerksames Publikum.
  • Dieses Stück kommt in einem größeren Raum gut zur Geltung. Konzerte, Museum, Galerie.
  • Mögliche Proben-Ideen:

    • Zunächst gemeinsam ausprobieren, wo genau der/die InnenraumspielerIn am Flügel steht, um alle Saiten erreichen zu können und auch den/die TastenspielerIn nicht zu stören.
    • Die Innenraumklänge, die geforderten Spieltechniken sowie die Legende gemeinsam durchgehen und ausprobieren, hören, diskutieren. Die Partitur gemeinsam lesen und Ungewohntes erklären.

  • Mit diesem Stück kann SchülerInnen sehr gut vermittelt werden, welche musikalische Konsequenz eine einmal getroffene Entscheidung nach sich zieht: Tondauern können relativ frei gestaltet werden, ziehen dann aber eine logische weitere Entscheidung nach sich in der Weitergestaltung der Phrase. Auch Freiheit muss gestaltet werden.
  • Das synchrone Zusammenspiel erfordert zahlreiche fein aufeinander abgestimmte Einsätze. Gemeinsam üben, wie man diese häufig benötigten Einsätze geben kann, ohne den generellen Fluss des Stücks zu stören. Mit Blickkontakt, gestischem Einsatz usw.
  • Gemeinsam den Flügelinnenraum für den/die SpielerIn markieren mit Klebepunkten, evtl. Filzstift-Markierung auf den Saiten.
  • Das Spiel mit Filzschlägeln auf genau zu treffenden Saiten gemeinsam üben.
  • Das Stück ist recht lang und sollte gemeinsam in Abschnitte eingeteilt werden, die man für die musikalische Gestaltung jeweils gut überblicken kann.
  • Achtung: Zupfen der Saiten mit den Fingern ist nicht an jedem Konzertflügel gestattet. Vor einem Konzert immer den Besitzer fragen. Ansonsten werden keine für den Flügel schädlichen Aktionen im Innenraum vollzogen.

 

Bezugsquelle

Erhältlich beim Komponisten (al.anatrini(at)gmail.com)