An den Stränden der Ruhe... "wo die Sonne untergeht" - ter Schiphorst, Iris

Titel

An den Stränden der Ruhe… "wo die Sonne untergeht"

Komposition

ter Schiphorst, Iris

Besetzung

für Orchester mit Masken, Sampler und Sängerin

detaillierte Besetzung

Sopran,

2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 4 Hörner, 2 Trompeten, 2 Posaunen, 3 Schlagzeuger (1. Marimbaphon + Vibraphon ; 2. große + kleine Trommel, 3. Pauken mit Crotales), Harfe (ev. Verstärkt), Klavier (verstärkt), Sampler oder Extra-Sprecher (verstärkt), Stimme (verstärkt), 10 Vl I, 8 Vl II, 4 Vla, 10 Vc, 4 Kb (1=5 Saiter mit dünner Stricknadel o.ä.), Trillerpfeifen, kl. Abspielgeräte+Mini-Lautsprecher o.ä.

Dauer

ca. 15 Minuten

Schwierigkeitsgrad

5 schwer

Schlagwörter

erweiterte Spieltechniken / Vokaltechniken, Live-Elektronik / Zuspiel, Raummusik, theatralische Elemente / Musiktheater, Vokaleinsatz (bei Instrumentalwerken)

 

KOMMENTAR

Kurzbeschreibung

Iris ter Schiphorsts „An den Stränden der Ruhe… ‚wo die Sonne untergeht‘“ ist ein sehr eindringliches, wirkungsvolles und politisch engagiertes Werk, welches sich auf das Flüchtlingsdrama auf der Insel Lampedusa mit seinen vielen Toten im Mittelmeer bezieht. Nachhaltig theatralisch wirken die mit bösen Clownsmasken maskierten Orchestermitglieder, die zusätzlich zu ihren instrumentalen und vokalen Aufgaben in einer Bewegungschoreografie agieren, welche dem Orchester fast die Rolle eines archaischen antiken Chors zuweist. Die anspruchsvolle solistische Gesangsstimme hat ebenfalls theatralische Aufgaben –wie auch zahlreiche zusätzliche Akteure, welche mit Handys oder vergleichbaren Klangerzeugern im Publikum während einer Szene agieren.

Notation

Traditionelle Notation mit diversen Zusatzzeichen für neue Spieltechniken und die theatralischen Aktionen. Genaue Erklärungen für die Umsetzung der Vokalpartien des Orchesters und die theatralischen Aktionen.

Anforderungen

  • Der Sologesangspart ist stimmlich sehr anspruchsvoll:

    • Stimmumfang a – h‘‘
    • Gefordert ist eine prägnante, sehr farbige und biegsame Sopranstimme, die nie stählern oder schreiend wirken darf.
    • Diverse neue Vokaltechniken, Glissandi, sprechendes Singen in unterschiedlichen Schattierungen, non vibrato, Triller usw. sollten souverän beherrscht werden.

  • Der Orchesterpart ist spieltechnisch auch für sehr fortgeschrittene Laienorchester spielbar.

    • Metrisch ist das Werk sehr übersichtlich angelegt.
    • Rhythmisch ist es in einigen Passagen komplex und stark kontrapunktisch geführt. In weiten Bereichen ist es jedoch rhythmisch sehr fasslich und arbeitet auch innerhalb einzelner Gruppen homophon mit suggestiven, klar strukturierten rhythmischen Motiven.
    • Alle Orchestermitglieder sind mit Masken ausgestattet und müssen theatralisch mit Gesten agieren, haben also notierte, vorgeschriebene Bewegungen, die als Gruppe synchron ausgeführt werden müssen.
    • Darüber hinaus agieren die meisten Orchestermitglieder auch vokal, die Streicher sogar sehr umfänglich während des gesamten ersten Teils.
    • Für ein gelingendes Zusammenspiel wird das Werk von einem/r DirigentIn mit Erfahrung angeleitet werden müssen, der/die auch substanzielle Erfahrungswerte in der Leitung von musiktheatralischen Produktionen besitzt.

Didaktische Hinweise und Empfehlungen

  • Die Besetzung erfordert den Einsatz von Live-Elektronik, es bedarf also auch einer Klangregie im Saal:

    • Eine gesampelte Kinderstimme (sie kann alternativ mit einer live agierenden, verstärkten Stimme besetzt werden)
    • Die Gesangsstimme und das Klavier müssen verstärkt werden.
    • Die geräuschhaften Aktionen der Sängerin mit Gegenständen im ersten Teil sollten ebenso verstärkt werden.
    • Die BläserInnen müssen Mikrointervalle, Multiphonics, Spielen mit Luftgeräuschen und die extreme Höhe gut beherrschen
    • Schlagzeug, Klavier und Harfe sind anspruchsvoll. Die SchlagzeugerInnen müssen mit erweiterten Spieltechniken vertraut sein.

  • Die StreicherInnen sollten sicher neue Bogentechniken, col legno, col legno saltando, Mikrointervalle und diverse Flageolett-Spielarten beherrschen.
  • Die Realisation der Bewegungschoreografie sollte von einem/r erfahrenen TheaterpädagogIn, ChoreografIn, RegisseurIn o.ä. übernommen werden, damit sie stimmig und eindringlich gelingt.
  • Die Sprechparts des Orchesters bedürfen im Grunde auch einer professionellen pädagogischen Anleitung.
  • Die Leitung des gesamten Werks erfordert einen ausgezeichneten Überblick über die klingenden und visuellen Aktionen.
  • Das Werk benötigt instrumental, vokal und szenisch eine umfangreiche Probenarbeit, sowie genügend Bühnenproben für eine maximale theatralische Wirkung und eine reibungslose technische Umsetzung.
  • Vor allem für Landesjugendensembles, Ensembles an musischen Gymnasien, sowie als sehr engagiertes und ehrgeiziges längerfristiges Musikschulprojekt eine dankbare und für alle Beteiligten außerordentlich herausfordernde und reizvolle Aufgabe.
  • Das Werk ist als sehr sinnliche und eindringliche „Mini-Oper“ in Form einer szenischen Aufführung außerhalb eines professionellen Opernhauses für jede Publikumszielgruppe geeignet. Durch dessen dezidiert politische Aussage und Kritik an der Gleichgültigkeit, Herzlosigkeit und Egoismen von Gesellschaften ist eine kluge Planung des begleitenden Programms absolut notwendig.

Kontakt

www.iris-ter-schiphorst.de

Bezugsquelle

Erschienen bei Boosey & Hawkes (www.boosey.com)