22 - Wiesenfeld, Ruth

Titel

22

Komposition

Wiesenfeld, Ruth

Besetzung

for two pianos

detaillierte Besetzung

2 Klaviere / Flügel (2 Spieler; einer der beiden Spieler benötigt keinerlei Vorkenntnisse im Klavierspiel)

Dauer

mind. 11 Minuten

Schwierigkeitsgrad

* heterogen

Schlagwörter

Alltagsgegenstände, erweiterte Spieltechniken, Klassenmusizieren/heterogene Gruppen

 

KOMMENTAR

Kurzbeschreibung

Ruth Wiesenfelds „22“ für 2 Klaviere besteht aus insgesamt 22 für sich stehenden Einzeltakten, die jeweils einen in sich geschlossenen Abschnitt bilden. Jeder dieser Takte steht für einen „Raum“ (Klangraum), zu dem sich jeweils eine imaginäre „Tür“ öffnet und der musikalisch/atmosphärisch eine eigene Klangwelt darstellt. Nach jedem Takt bleibt ein Nachhall, es folgt Stille, die „Tür“ schließt sich und es öffnet sich die nächste „Tür“ zum nächsten „Raum“. Jeder „Raum“ (Takt) besitzt einen vollkommen eigenständigen Charakter und wird in folgenden drei Parametern den beiden SpielerInnen jeweils genau beschrieben: Tempo (T) /Dynamik (D) /Balance zwischen den SpielerInnen (B).

Notation

  • SpielerIn I: notiert in traditioneller Notenschrift. Dazu in Worten Anweisungen zur Gestaltung T/D/B (s.o.).
  • SpielerIn II: In dieser Stimme wird für jeden Takt jeweils ein und dieselbe Bassnote kontra-as als taktfüllende Ganze Note mit Fermate notiert. Die Note steht für die mit Bogenhaar/Angelschnur angestrichene Bass-Saite. Die Wort-Anweisungen bzgl. T/D/B für SpielerIn I gelten zugleich für SpielerIn II. Beide SpielerInnen gestalten diese Anweisungen gemeinsam. Es wird z.B. genau beschrieben, welche SpielerIn lauter oder leiser als der/die andere spielen soll, oder ob beide in derselben Dynamikstufe spielen sollen usw.

Anforderungen

  • SpielerIn I: Schwierigkeitsgrad 3. Alle Spielfiguren der Partitur sind im Grunde genommen „Tremoli“, manche in langsamen und manche in schnellen Tempi, mit Einzeltönen oder in Oktaven, Septimen oder Akkorden. Zwischen leicht und mittelschwer. Größte erforderliche Griffweite: Oktave. Notiert in traditioneller Notenschrift.
  • SpielerIn II: Benötigt keinerlei instrumentalen Vorkenntnisse, jedoch musikalisches Einfühlungsvermögen. Er bzw. sie erzeugt in jedem der 22 Takte jeweils ein und denselben Einzelton im Bass (Kontra-a), indem die entsprechende Saite im Innenraum entweder mit einer kolophonierten Angelschnur und/oder (auch abwechselnd möglich) mit kolophoniertem Bogenhaar „angerissen“ wird – und zwar mit jeweils unterschiedlicher Dynamik und in zeitlich exaktem Zusammenspiel mit SpielerIn I. Musikalisch interessierte Laien ohne Klavier-Vorkenntnisse können diesen Part genauso übernehmen wie interessierte erfahrenere KlavierspielerInnen.
  • Zusammenspiel: Beide SpielerInnen agieren stets gleichzeitig. Sie beginnen und enden jeden Takt gemeinsam, weshalb musikalisches Einfühlungsvermögen auch des Spielparts II erforderlich ist. Dynamik und Balance sind oft unterschiedlich zwischen den SpielerInnen, so dass sie zwar Verschiedenes tun, aber aufeinander hören und achten müssen, um einen gemeinsamen „Klangraum“ zu schaffen, der simultan ausklingt und endet. Im Anschluss an jeden Takt ist Stille herzustellen, die ebenfalls gemeinsam erlebt wird, bevor der nächste Takt gemeinsam beginnt.
  • Charakter, Tempo und Dynamik für beide SpielerInnen sind detailliert beschrieben, so dass eine hohe Differenzierung gefordert wird. Alle Dynamikstufen von pp bis ff kommen vor und müssen von Takt zu Takt häufig sehr abrupt erzeugt werden. Dies erfordert hohe Konzentration und ist gleichzeitig sehr inspirierend für SpielerInnen und Publikum.

Didaktische Hinweise und Empfehlungen

  • Das Stück ist innerhalb kurzer Zeit für beide SpielerInnen einstudierbar.
  • Es ermöglicht das Ausprobieren von gewissermaßen „22“ verschiedene Arten, gemeinsam zu musizieren: Zentral hierfür sind verschiedene Tempi, Balance und Dynamik zwischen zwei SpielerInnen. Das gemeinsame Fühlen und Erleben von Musik ist anhand der klar definierten Einzeltakte und voneinander klar abgegrenzten „Klangräume“ sehr gut vermittelbar.
  • Idee für Unterricht mit unerfahreneren oder jüngeren SpielerInnen: Die Einzeltakte (Kopie) ausschneiden und auf 22 nummerierte Pappkärtchen kleben. Nach jedem Takt die SpielerInnen „neu umblättern“ lassen. Das verstärkt das Erleben der vollkommen unabhängigen „Räume“ und Einzeltakte, die ja ganz unterschiedlich und jeweils wieder „neu“ klingen sollen. Sobald alles gut einstudiert ist, kann wieder zur ursprünglichen Partitur zurückgekehrt werden.
  • Instrumentenspezifisches: Das Anstreichen der Basssaite ist nicht schädlich für den Flügel/das Klavier und kann überall durchgeführt werden, auch an hochwertigen Konzertflügeln.
  •  Publikum: Konzertpublikum, professionell aber auch Laienpublikum. Jeder andere Anlass ist bestens geeignet, wenn die Dauer von ca. 15 Minuten geeignet erscheint: Musikwettbewerbe, Konzerte in Galerien, Museen, Kunst, Architektur (wegen der „Räume“ im Stück), Film, Theater, evtl. Streichinstrument-Zusammenhang wegen der „angestrichenen“ Saite mit Bogenhaar. Ganz allgemein jeder Ort und Anlass, an dem man gern interessante, nicht vorhersagbare Klänge verfolgt und sich auf Ungewohntes konzentrieren möchte.

Kontakt

www.ruthwiesenfeld.com

Bezugsquelle

Erschienen bei Verlag Neue Musik.